Wer Ethereum kauft, kauft etwas grundlegend anderes als Bitcoin — und genau deshalb lohnt es sich, vor dem ersten Klick zwei Minuten über das Asset selbst nachzudenken. Ich bin den kompletten Kaufablauf bei eToro Schritt für Schritt durchgegangen und habe geprüft, was dabei wirklich gilt. Hier ist das Ergebnis.
Kraftwerk, nicht Goldbarren
Bitcoin wird gern als „digitales Gold“ beschrieben: ein knappes Gut, das herumliegt und dessen Wert allein von Angebot und Nachfrage lebt. Ethereum ist eher ein Kraftwerk: eine Plattform, auf der etwas läuft. Smart Contracts, die größten Stablecoins (USDC, USDT), ein Großteil von DeFi — all das arbeitet auf der Ethereum-Blockchain, und ETH ist der Treibstoff dafür.
Für Sie als Anleger heißt das zweierlei. Erstens hat ETH einen Nutzungswert, der über reine Spekulation hinausgeht. Zweitens schwankt der Kurs historisch stärker als Bitcoin — in beide Richtungen. Im Juli 2026 notiert ETH bei rund 1.885 USD, Bitcoin bei rund 64.700 USD; beide deutlich unter den Höchstständen des Vorjahres. Ob Ihnen Kraftwerk oder Goldbarren — oder keins von beiden — ins Depot passt, hängt von Ihrer Risikotoleranz und Ihrem Horizont ab. Das ist Ihre Entscheidung, keine Empfehlung.
Broker statt Kryptobörse: keine Gas-Gebühren, keine Wallet-Pflicht
Die Grundsatzfrage „Kryptobörse oder regulierter Broker?“ habe ich in der Anleitung zum Bitcoin-Kauf ausführlich auseinandergenommen — die Argumente gelten für ETH eins zu eins, ich wiederhole sie hier nicht. Bei Ethereum kommt aber ein praktischer Punkt dazu, der beim Broker angenehm auffällt: Gas-Gebühren.
Jede Transaktion direkt auf der Ethereum-Blockchain kostet „Gas“ — eine Netzwerkgebühr, die je nach Auslastung schwankt und Einsteiger regelmäßig kalt erwischt. Kaufen Sie ETH dagegen als Position beim Broker, findet gar keine Blockchain-Transaktion statt: eToro bucht die Position intern, Gas fällt nicht an. Erst wenn Sie die Coins später über die eToro-Money-App auf eine eigene Wallet übertragen — was möglich ist —, betreten Sie das Netzwerk und zahlen dessen Gebühren.
Ethereum bei eToro kaufen — fünf kompakte Schritte
- Konto eröffnen. E-Mail, Benutzername, Passwort auf der eToro-Anmeldeseite — oder direkt mit Google anmelden.
- KYC durchlaufen. Ausweis, Adressnachweis, Anlage-Fragebogen. Das ist EU-weit vorgeschrieben und lässt sich nicht überspringen; gerechnet werden sollte mit Minuten bis wenigen Stunden.
- Euro einzahlen. Das Konto wird in USD geführt, Ihre EUR-Einzahlung wird zum eToro-Kurs umgerechnet. Mich stört das — und es kostet: Wer vorher selbst tauscht (etwa über Revolut) und in USD einzahlt, spart Zehntelprozente.
- „ETH“ suchen und Kauf aufgeben. Ab 10 USD, rund um die Uhr — anders als bei Aktien, wo Sie etwa an der NASDAQ auf 15:30–22:00 Uhr MESZ warten müssen. Entscheidend: Hebel auf X1 lassen. Nur X1 ist echtes Ethereum; alles darüber ist ein CFD, also eine gehebelte Wette mit Übernachtgebühren und ohne echten Coin.
- Fertig — Position liegt im Portfolio. Übertragung auf eine eigene Wallet später möglich, Staking ebenfalls (dazu gleich mehr).
Staking: Erträge ja — aber schwankend und steuerpflichtig
Seit dem Wechsel zu Proof of Stake im Jahr 2022 wirft Ethereum etwas ab, was Bitcoin nicht kann: Staking-Erträge. eToro bietet dafür ein eigenes Staking-Programm — Sie melden Ihre ETH-Position an und erhalten laufende Ausschüttungen, ohne selbst einen Validator betreiben zu müssen.
Zwei Dinge sollten Sie dabei nüchtern sehen. Erstens: Die Erträge schwanken und sind keine garantierte Verzinsung — sie hängen von der Netzwerkaktivität ab. Zweitens: Sie sind steuerpflichtiges Einkommen, und zwar schon beim Zufluss, nicht erst beim Verkauf (Details unten). Staking ist ein netter Nebeneffekt des Kraftwerk-Charakters von ETH, aber kein Sparbuch-Ersatz.
Was Sie an Kosten erwarten sollten
Ehrlichkeit vorab: Krypto ist bei eToro die teuerste Anlageklasse. Der Handel läuft über einen Spread von rund 1 % pro Richtung — Kauf und Verkauf zusammen also etwa 2 %. Zum Vergleich: Echte Aktien kosten dort 1 USD pro Kauf und 1 USD pro Verkauf, ETFs handeln ohne Kommission. Prozentual ist Krypto damit rund zehnmal teurer als der Aktienhandel — dafür entfallen Wallet-Aufwand und Gas-Gebühren. Dazu kommen die EUR-USD-Umrechnung bei der Einzahlung und 5 USD pro Auszahlung — Letzteres ärgert mich aus Prinzip, auch wenn der Betrag klein ist. Ein Konto- oder Inaktivitätsentgelt fällt im normalen Betrieb nicht an. Wer statt eines einzelnen Krypto-Assets lieber breit streut, findet in der Anleitung zum S&P-500-Investieren den ETF-Weg — und wer die Volatilität einzelner Tech-Werte vergleichen will, kann einen Blick auf den Nvidia-Guide werfen.
💡 eToro schreibt neuen Kundinnen und Kunden derzeit nach der ersten Einzahlung ein selbst gewähltes echtes Asset als Anmeldeprämie gut. Alle Bedingungen und Stufen habe ich im Artikel zur eToro-Prämie aufgeschlüsselt. Auf die Kaufschritte oben hat die Aktion keinerlei Einfluss.
Steuern — kurz, denn die Regeln kennen Sie schon
Für ETH gilt steuerlich exakt dasselbe wie in der Bitcoin-Anleitung beschrieben: privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG, Gewinne nach mehr als einem Jahr Haltedauer komplett steuerfrei, innerhalb des Jahres Ihr persönlicher Einkommensteuersatz mit Freigrenze 1.000 EUR (wird sie erreicht, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig). Auch ein Tausch ETH→BTC gilt als Verkauf und startet die Frist neu. Deklariert wird selbst, in der Anlage SO — ein ausländischer Broker führt nichts ab. Seit 2026 melden Krypto-Dienstleister Transaktionsdaten zudem unter DAC8 an die Behörden.
Die ETH-Besonderheit ist das Staking: Erträge daraus sind sonstige Einkünfte (§ 22 Nr. 3 EStG), versteuert beim Zufluss zum persönlichen Satz, mit separater Freigrenze von 256 EUR pro Jahr. Immerhin: Laut BMF-Schreiben vom März 2025 verlängert passives Staking die einjährige Haltefrist nicht. Und das Übliche zum Schluss: Wir sind keine Steuerberater — für Ihren konkreten Fall fragen Sie bitte einen.
Ihre Meinung?
Reizt Sie an Ethereum eher das Ökosystem — oder schreckt Sie die Volatilität ab, die selbst Bitcoin übertrifft? Schreiben Sie es in die Kommentare — ich lese mit. Und stakt hier eigentlich jemand seine ETH bei eToro?
