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Regulierung Nachrichten

Polymarket in Deutschland: keine Netzsperre — aber die Teilnahme ist strafbar

Anders als in Tschechien, der Slowakei oder Italien hat in Deutschland keine Behörde eine Sperre angeordnet. Die GGL hat etwas anderes getan: Sie hat gewarnt, dass schon das Mitspielen eine Straftat ist. Und Polymarket selbst lässt deutsche Nutzer nicht mehr handeln.

RewardHunter RewardHunter Wer ich bin → 15. Juli 2026 · 4 min · 9 quellen
Europakarte mit roten Schranken vor mehreren Ländern, Symbol für nationale Sperren der Prognosemarkt-Plattform Polymarket
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In Deutschland hat keine Behörde Polymarket sperren lassen. Was Sie in vielen Übersichten lesen — „Deutschland hat Polymarket blockiert" — steht so in keiner Verfügung. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder hat am 5. September 2025 etwas anderes getan: Sie hat die Bevölkerung gewarnt. Und zwar davor, dass Sie sich strafbar machen, wenn Sie mitspielen.

Der entscheidende Satz aus der Mitteilung, wörtlich: „Sowohl das Veranstalten oder Vermitteln solcher illegalen Wetten, als auch die Teilnahme daran, sowie die Bewerbung des Angebotes, sind strafbar." Die GGL nennt Polymarket dabei ausdrücklich beim Namen. Rechtsgrundlage: § 3 Abs. 1 Satz 4 und § 4 Abs. 5 des Glücksspielstaatsvertrags 2021, flankiert von § 285 StGB — Beteiligung am unerlaubten Glücksspiel, Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe.

Gesperrt hat Deutschland also nichts. Es hat Ihnen gesagt, dass Sie es lassen sollen.

Zwei Mauern, die nicht zusammenpassen

Um einen Prognosemarkt herum stehen zwei völlig verschiedene Mauern, und sie stehen selten gleichzeitig:

  • Die Mauer des Staates. Eine Behörde verpflichtet die Internetanbieter, die Seite nicht mehr durchzulassen. Die Plattform merkt davon unter Umständen nichts.
  • Die Mauer der Plattform. Das Unternehmen selbst weist Nutzer aus einem Land ab, prüft, von wo Sie kommen, und lässt Sie nicht hinein.

In Deutschland steht nur die zweite — und die steht gründlich. In Tschechien steht seit dieser Woche nur die erste, und sie ist noch nicht einmal fertig gebaut.

Was mit Ihrem Geld passiert

Das ist die Frage, die deutsche Nutzer tatsächlich stellen, und Polymarket beantwortet sie auf seiner eigenen Hilfeseite. Deutschland steht dort auf der Länderliste, und der Eintrag ist ungewöhnlich präzise: Handeln ist untersagt, bestehende Positionen müssen bis zur Marktabrechnung gehalten werden, danach lassen sich die Anteile einlösen und das Guthaben ohne Einschränkung auszahlen. Marktdaten und Kommentarfunktion bleiben sichtbar.

Im Klartext: Sie kommen an Ihr Geld — aber nicht sofort, sondern erst, wenn der Markt, in dem es steckt, entschieden ist. Bei einer Wette auf ein Ereignis in zwei Jahren heißt das: zwei Jahre.

Ein Blick auf dieselbe Seite lohnt sich übrigens auch aus einem anderen Grund. Polymarket kündigt dort „die folgenden 33 Länder" als vollständig gesperrt an — und listet dann 35 auf. Vier davon, darunter Polen, tauchen weiter unten noch einmal unter „close-only" auf, wo man bestehende Positionen nur schließen, aber keine neuen eröffnen darf. Beides zugleich kann nicht stimmen. Wer sich auf diese Liste verlässt, verlässt sich auf ein Dokument, das sich selbst widerspricht.

Was ein Prognosemarkt ist und warum die Glücksspielaufsicht zuständig ist

Ein Prognosemarkt ist eine Börse für Wetten auf noch nicht Geschehenes. Sie kaufen einen Ja/Nein-Kontrakt — wer eine Wahl gewinnt, wie ein Spiel ausgeht, ob eine Notenbank die Zinsen anhebt. Trifft Ihre Variante ein, zahlt der Kontrakt einen festen Betrag; trifft sie nicht ein, verfällt er. Polymarket rechnet in Kryptowährung ab, der US-Rivale Kalshi ist eine regulierte Börse in den Vereinigten Staaten.

Die Plattformen nennen das Handel. Die europäischen Glücksspielaufsichten sehen dasselbe Produkt und erkennen darin eine Wette auf ein ungewisses Ereignis, angeboten von einem Betreiber ohne örtliche Lizenz. Die GGL begründet das so: Nach deutschem Recht sind nur Wetten auf definierte Sportereignisse mit überprüfbarem Ausgang erlaubt — alles andere, von Politik über Krypto bis Wetter, ist nicht erlaubnisfähig.

Am 17. Juni 2026 haben neun dieser Aufsichten das gemeinsam gesagt. Die Behörden Belgiens, Frankreichs, Deutschlands, Italiens, der Niederlande, Polens, Portugals, Spaniens und der Schweiz veröffentlichten eine Erklärung zu Prognosemärkten, die mit der Feststellung beginnt, dass gerade die Fußball-Weltmeisterschaft angefangen hat. Diese Plattformen hätten „mehrere suchterzeugende Merkmale" und brächten „ernsthafte Risiken der Illegalität, der Sperrung von Geldern, des Betrugs durch Insiderinformationen und der Finanzvolatilität" mit sich. Und, der operative Satz: Die Neun würden „erforderlichenfalls gegen Prognosemarkt-Plattformen vorgehen, die unsere lokalen Vorschriften nicht einhalten".

Kein Unternehmen wird namentlich genannt. Der Fußball dagegen schon: Die Erklärung erinnert „Sportverbände, Ligen und Vereine" daran, „sicherzustellen, dass diese Plattformen in ihrer Rechtsordnung rechtmäßig sind, bevor sie große Partnerschaften mit ihnen eingehen" — geschrieben drei Monate, nachdem Polymarket Haupt-Trikotsponsor von Lazio Rom geworden war, nach Angaben der italienischen Presse für rund 22 Millionen Dollar.

Danach kamen die Sperren: Slowakei am 22. Juni, Italien am 10. Juli, Tschechien am 13. Juli. Alle drei innerhalb eines Monats nach der Erklärung. Deutschland war unter den neun Unterzeichnern — und hat bis heute nichts gesperrt.

Wie es anderswo aussieht

LandSperrt der Staat?Sperrt Polymarket Sie?Was Nutzern droht
DeutschlandNein — die GGL warnt, sperrt aber nichtJa — halten bis Abrechnung, dann Auszahlung§ 285 StGB: bis zu 6 Monate Haft oder Geldstrafe
FrankreichKeine Anordnung — hat sich selbst gesperrtJaDie ANJ sagt dazu nichts
ItalienJa, ADM, 10. 7. 2026 (auch Kalshi)Ja — nur Ansicht, kein Handel
PolenJa, 8. 1. 2025 (Kalshi 14. 4. 2025)Ja, zugleich als „close-only" geführtArt. 109 KKS: bis zu 120 Tagessätze + 100 % des Gewinns
TschechienJa, 13. 7. 2026 — Anbieter haben 15 TageNeinKein Straftatbestand gefunden
SlowakeiJa, 22. 6. 2026NeinKein Straftatbestand gefunden
SpanienNur vorläufig, 25. 5. 2026 (auch Kalshi)NeinDie DGOJ sagt dazu nichts
RumänienJa, ONJN, 29. 10. 2025 — Gericht bestätigt 4/2026NeinBußgeld 5.000–10.000 Lei
UngarnJa, SZTFH, 19. 1. 2026 — vorläufigNein

Deutschland steht in dieser Tabelle einzigartig da: Es ist das einzige Land, das die Nutzer mit dem Strafrecht bedroht, ohne die Seite selbst anzufassen. In Tschechien und der Slowakei ist es exakt umgekehrt — der Staat sperrt, die Nutzer trifft nichts.

Was die ESMA nicht gesagt hat

Am 3. Juli veröffentlichte die europäische Wertpapieraufsicht ESMA eine Erklärung zu Event Contracts, und die Finanzpresse machte daraus einen europäischen Schlag gegen Prognosemärkte. Wer sie liest, sieht das Gegenteil. Dort steht wörtlich: „Nicht alle Event Contracts sind Finanzinstrumente." Als Finanzinstrument gelten nur Kontrakte auf einen finanziellen Basiswert — Wertpapiere, Währungen, Zinssätze, Rohstoffe, Indizes. Kein Unternehmen wird genannt, weder Polymarket noch Kalshi. Neues Recht schafft die Erklärung nicht; sie erinnert an Regeln zu binären Optionen, die längst gelten.

Eine Wahl oder ein Fußballspiel ist kein Wertpapier. Die Vorzeigemärkte beider Plattformen fallen damit gar nicht in die Zuständigkeit der ESMA — weshalb deren eigene Fußnote auf das nationale Glücksspielrecht verweist. Jede echte Sperre in der Tabelle oben stammt von einer Glücksspielaufsicht.

Worauf ich achten würde

Auffällig finde ich, wie weit die Slowakei gegangen ist: Ihr Register nennt neben der Offshore-Firma auch die US-Tochter „QCX LLC d/b/a Polymarket US" — die Einheit mit einer Lizenz der amerikanischen CFTC. Kein anderes europäische Register, das wir gelesen haben, greift bis dorthin durch.

Worauf ich als Nächstes schauen würde: ob die GGL bei der Warnung bleibt oder irgendwann doch anordnet — und ob Tschechien und die Slowakei auf Polymarkets eigener Länderliste landen.

Dieser Text gibt wieder, was Behörden und Plattformen veröffentlicht haben. Er ist keine Rechtsberatung — wenn Sie unsicher sind, wie Sie dastehen, fragen Sie jemanden mit Zulassung.

Quellen

#Polymarket #Kalshi #Prognosemärkte #GGL #Glücksspiel #Sperren
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