Morgenbriefing: Die Kriegsprämie ist zurück im Öl
Fünf Dinge für Ihren Kaffee am Montag: eine Schifffahrtsstraße, die still geworden ist, eine Notenbank, von der am Donnerstag kaum jemand eine Bewegung erwartet, und die zwei Quartalszahlen, auf die der ganze KI-Handel wartet.

Öl — und die Woche, die der Markt hinter sich bringen muss
Die Straße von Hormus ist still geworden, und der Ölpreis rechnet das ein. Brent-Rohöl notiert heute Morgen bei rund 87,84 USD — etwas schwächer als gestern, aber fast 13 % höher als vor einer Woche und mehr als ein Viertel über dem Stand vor einem Monat. Der Grund ist eine Meerenge: Durch die Straße von Hormus läuft in normalen Zeiten etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls, und nach neun Nächten in Folge mit US-Angriffen auf iranische Ziele ist der Verkehr dort eingebrochen — eine Zählung kam zuletzt auf sechs Schiffe in zwölf Stunden, gegenüber rund 130 pro Tag vor Beginn der Kämpfe. Diese Lücke ist das, was Händler Kriegsprämie nennen: der Aufschlag, den nicht das ausgefallene Öl kostet, sondern das Risiko, dass es ausfallen könnte. Hinter dem kleinen Rücksetzer von heute Morgen steckt nicht mehr als eine Andeutung, dass Washington und Teheran wieder miteinander reden.
Am Mittwochabend muss die KI-Wette Zahlen liefern. Tesla und Alphabet legen ihre Ergebnisse zum zweiten Quartal beide nach US-Börsenschluss am 22. Juli vor, Intel folgt am 23. Das wiegt schwerer als ein gewöhnlicher Zahlenabend, weil vergangene Woche die Chipwerte kräftig abverkauft wurden: Das chinesische Start-up Moonshot AI hatte ein Modell veröffentlicht, das den Abstand zu den besten US-Systemen geschlossen haben will. Alphabets Zahlen sind der erste belastbare Hinweis darauf, ob die Unternehmen, die all diese Chips kaufen, weiter so viel Geld ausgeben wie bisher.
Zinsen und Ihr Guthaben
Die EZB entscheidet am Donnerstag, und der Ton wiegt schwerer als der Beschluss. Der EZB-Rat tagt am 23. Juli, die Mitteilung kommt um 13:45 Uhr, die Pressekonferenz von Christine Lagarde beginnt um 14:30 Uhr (Ortszeit Frankfurt). Mit einer Bewegung rechnet fast niemand — die Märkte preisen rund 88 % für eine Pause ein, und eine Umfrage unter 74 Volkswirten fiel einstimmig aus. Die Überraschung lieferte nämlich schon der Juni: ein Schritt um einen Viertelpunkt auf einen Einlagesatz von 2,25 % — das ist der Zins, den Banken für Geld bekommen, das sie über Nacht bei der EZB parken —, die erste Erhöhung seit 2023. Im Juli liegen keine neuen Projektionen der Notenbank-Volkswirte vor, mit denen sich ein weiterer Schritt begründen ließe. Weil der Ölpreis wieder steigt, erwarten trotzdem rund sieben von zehn der befragten Volkswirte noch eine Erhöhung in diesem Jahr, am ehesten im September. Für alle, die Guthaben beim Broker liegen haben: Die Zinsen auf nicht investiertes Geld folgen diesen Sätzen, nicht dem Aktienmarkt.
Was wir im Blick behalten
Bei den Bitcoin-ETFs hört die Blutung auf. Die 13 US-amerikanischen Spot-Fonds — börsengehandelte Fonds, die tatsächlich Bitcoin halten — nahmen vergangene Woche 75,7 Mio. USD ein, nach 197,4 Mio. USD in der Woche davor. Das ist die zweite Zuflusswoche in Folge und beendet knapp zwei Monate, in denen Geld abgeflossen ist. Gemessen an diesem Markt sind das kleine Beträge.
PayPals Verwaltungsrat berät heute über das Gebot von Stripe. Auf der Tagesordnung steht das Angebot über 60,50 USD je Aktie von Stripe und Advent. Stand jetzt hält das Gremium den Preis für zu niedrig, hat aber förmlich nicht geantwortet, und weder PayPal noch Stripe oder Advent haben sich öffentlich geäußert. Warum der Preis nicht das einzige Problem des Verwaltungsrats ist, steht in unserem Beitrag zum Gebot.
Und in Tschechien läuft nächste Woche eine Frist ab. Polymarket steht seit dem 13. Juli auf der tschechischen Liste unerlaubter Internet-Glücksspiele; die 15 Tage, die den Providern für die Umsetzung der Sperre bleiben, enden um den 28. Juli — bis dahin öffnet die Seite über tschechische Anschlüsse ganz normal. Es ist der erste Fall in Europa, in dem eine Sperranordnung gegen die Plattform tatsächlich in den Vollzug geht. Welche Länder Polymarket gesperrt haben und was Spieler dort riskieren, haben wir zusammengetragen. Die Fed entscheidet am 29. Juli.
Das war das Briefing. Quellen wie immer unten — dies ist eine Zusammenfassung dessen, was veröffentlicht wurde, keine Anlageberatung.
Quellen
- Trading Economics — Brent-Rohöl, Live-Kurs und Wertentwicklung (20. Juli 2026: 87,84 USD, −0,30 % am Tag, +12,76 % in der Woche, +26,92 % im Monat) en
- Al Jazeera — Ölpreise springen, während sich die USA und Iran Angriffe rund um die Straße von Hormus liefern (zuletzt 6 Schiffe in zwölf Stunden gegenüber rund 130 täglich vor dem Krieg; in Friedenszeiten läuft ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls durch die Meerenge) en
- Europäische Zentralbank — Geldpolitische Beschlüsse vom 11. Juni 2026 (Einlagesatz auf 2,25 % angehoben, die erste Erhöhung seit 2023) en
- Morningstar — EZB-Zinsentscheid: was am 23. Juli zu erwarten ist (Beschluss 13:45 Uhr, Pressekonferenz von Christine Lagarde 14:30 Uhr, Ortszeit Frankfurt; die befragten Volkswirte einstimmig für eine Pause) en
- Tesla Investor Relations / SEC Form 8-K — Zahlen zum zweiten Quartal 2026 angesetzt für Mittwoch, den 22. Juli 2026, nach US-Börsenschluss en
- Bloomberg — Bitcoin-ETFs verzeichnen die zweite Zuflusswoche in Folge und beenden zwei Monate Abflüsse (13 Spot-Fonds nahmen vergangene Woche 75,7 Mio. USD auf, nach 197,4 Mio. USD in der Woche davor) en
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