Wie eine Lock-up-Frist funktioniert — und was der SpaceX-Zeitplan sagt
SpaceX notiert unter dem eigenen Ausgabepreis, und im August beginnt die Lock-up-Frist auszulaufen. Der Zeitplan dahinter ist gestaffelt — und an einer der beiden großen Tranchen hängt eine Bedingung, die derzeit nicht erfüllt ist.

Wer noch nie eine Aktie eines frisch börsennotierten Unternehmens gehalten hat, dem sagt der Begriff „Lock-up-Frist“ wenig — er klingt bedrohlich und wird kaum je erklärt. In dieser Woche taucht er in jeder Meldung über SpaceX auf. Der Zeitplan, der dahintersteckt, liest sich allerdings anders, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Was eine Lock-up-Frist überhaupt ist
Wenn ein Unternehmen an die Börse geht — beim Börsengang, im Fachjargon IPO —, wird nur ein Teil der Aktien öffentlich verkauft. Alle, die vorher schon Anteile hielten, also Gründer, Mitarbeiter und frühe Investoren, behalten den Rest. Dürften die alle am ersten Tag verkaufen, würde das plötzliche Angebot den Kurs unter sich begraben. Also unterschreiben sie eine Vereinbarung, für einen festgelegten Zeitraum nicht zu verkaufen. Diese Vereinbarung ist die Lock-up-Frist, und sie läuft üblicherweise 90 bis 180 Tage.
Läuft sie aus, werden die Aktien verkäuflich. Nicht verkauft — verkäuflich. Was daraus wird, hängt daran, wie viele Halter tatsächlich verkaufen und in welchen Schritten die Freigabe überhaupt erfolgt.
Was im Zeitplan von SpaceX steht
SpaceX ging am 12. Juni 2026 zu 135 USD je Aktie an die Börse, der größte Börsengang, den es je gab. In der Woche nach der Erstnotiz lief der Kurs bis auf ein Tageshoch von 225,64 USD, danach ging es in die andere Richtung. Am Freitag schloss die Aktie bei 123,99 USD — rund 45 % unter diesem Hoch und unter dem Preis, zu dem der Börsengang selbst abgewickelt wurde.
Die Frist fällt nicht auf einen Schlag weg. Der Zeitplan im Einzelnen:
- Rund 911,5 Millionen Aktien — zu aktuellen Kursen etwa 123 Milliarden USD — werden am zweiten vollen Handelstag nach dem ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen frei. Termindienste setzen diesen Bericht auf etwa den 6. August an, aber das ist eine Schätzung: SpaceX selbst hat keinen Termin genannt, und mit dem Bericht verschiebt sich auch das Datum der Freigabe.
- Weitere 455,8 Millionen Aktien werden nur dann frei, wenn die Aktie an fünf der zehn Handelstage vor diesem Bericht mindestens 30 % über dem Ausgabepreis schließt, also bei 175,50 USD.
- Danach werden von Ende August bis Ende Oktober alle zwei bis drei Wochen Tranchen von rund 7 % frei. Eine Tranche ist dabei nichts anderes als ein Teilpaket der gesperrten Aktien.
- Nach dem Bericht zum dritten Quartal kommen weitere 28 % hinzu.
- Die reguläre Lock-up-Frist endet Anfang Dezember.
- Elon Musks eigene Aktien bleiben bis Juni nächsten Jahres gesperrt, also deutlich länger als alles andere.
Die Bedingung, die an der zweiten Tranche hängt
Noch einmal zurück zu diesem zweiten Paket. Die 455,8 Millionen Aktien brauchen einen Kurs von 175,50 USD. Aktuell liegt er bei rund 124 USD. Damit die Tranche frei wird, müsste die Aktie also zuerst um mehr als 40 % steigen — und sich fünf von zehn Tagen dort halten.
Der größte einzelne Block an zusätzlichem Angebot kommt beim heutigen Kurs damit schlicht nicht. Die Bedingung greift nur in einer Aufwärtsbewegung, nicht in einer Schwächephase. Das macht die erste Tranche nicht kleiner, und über den weiteren Kursverlauf sagt es ohnehin nichts.
Was das heißt, wenn Sie so eine Aktie halten
Nichts davon ist eine Besonderheit von SpaceX. Wenn Sie über einen Broker in einen frischen Börsengang einsteigen, ist der Lock-up-Zeitplan ein öffentliches Dokument: Er steht im Wertpapierprospekt, dem Verkaufsprospekt, den ein Unternehmen vor dem Börsengang veröffentlichen muss. Die Termine lassen sich also vorab nachlesen, statt einen später zu überraschen.
Ob eine frisch notierte Aktie dadurch attraktiv wird oder nicht, sagen wir Ihnen nicht; das hängt ganz von Ihrem eigenen Horizont und Ihrer Risikobereitschaft ab. Dies ist eine Zusammenfassung dessen, was in den Unterlagen und Berichten steht, keine Anlageberatung.
Fazit
Eine auslaufende Lock-up-Frist ist kein einzelner Tag, an dem alles auf einmal auf den Markt kommt: Bei SpaceX ist sie von August bis Dezember gestaffelt. Und die größte Zusatztranche wird überhaupt nur frei, wenn der Kurs vorher um mehr als 40 % steigt.
Quellen
- The Motley Fool — die Lock-up-Frist von SpaceX beginnt im August auszulaufen (Börsengang am 12. Juni 2026 zu 135 USD; 911,5 Mio. Aktien am zweiten vollen Handelstag nach dem ersten Quartalsbericht; bedingte Tranche über 455,8 Mio. Aktien mit Auslöser bei 175,50 USD; Tranchen von rund 7 % von Ende August bis Ende Oktober; weitere 28 % nach dem Bericht zum dritten Quartal; reguläre Frist endet Anfang Dezember; Musks Aktien bis Juni nächsten Jahres gesperrt) en
- The Motley Fool — die SpaceX-Aktie liegt 45 % unter ihrem Hoch (Tageshoch von 225,64 USD in der Woche nach der Erstnotiz; Schlusskurs am Freitag 123,99 USD; Eröffnung am ersten Handelstag nahe 150 USD) en
- Investing.com — Auslaufen der SpaceX-Lock-up-Frist: Aktien im Wert von rund 123 Mrd. USD werden Anfang August 2026 frei en
- Axios — SpaceX fällt unter den Ausgabepreis, während das Ende der Lock-up-Fristen näher rückt en
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